„Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“
Paulus an die Galater 4,4
Liebe Leserin, lieber Leser,
ist der Advent das – eine erfüllte Zeit? Für viele von uns ist er vor allem eine sehr volle, angefüllte Zeit. Mit vielem gefüllt, vielleicht sogar überfüllt: Verpflichtungen. – Selbst wenn es wundervoll ist, Freundinnen und Freunde zu treffen oder mit der entfernteren Familie zusammen zu sein, das zehnte Treffen nervt mitunter eben doch. Mit Besorgungen. – Auch wenn Sie sich die Freude der Beschenkten schon lebhaft ausmalen können, anstrengend ist es ja trotzdem. Mit zusätzlicher Arbeit, mit Erkältung, mit Hektik im Beruf oder zuhause.
Für andere Menschen dagegen ist der Advent eine leere Zeit: Ohne Perspektive, ohne spür-bare Hoffnung, ohne fühlbaren Sinn. Zeit, die irgendwie übrig ist. Zeit, die Angst macht, und in der man sich schon beim Aufstehen fragt: Was soll ich heute bloß tun? Und wozu? Wird der Tag einmal anders als nur grau sein? Wer seine Zeit so wahrnimmt, empfindet die Betriebigk-eit der anderen dann als zusätzlichen Kontrast, als weitere Belastung.
Gott sagt: Der Advent ist eine erfüllte Zeit! Er hat selbst dafür gesorgt: Indem Jesus in unse¬re Welt kommt, will er unsere Zeit mit unendlichem Glück erfüllen. Sein Geist will uns erfüllen. Er wird uns nicht über¬füllen, überfordern, überbeanspruchen. Wir bleiben aber auch nicht innerlich leer. Behutsam und zärtlich, voller Hingabe und voller Freundschaft will Gott uns mit sei-ner grenzenlosen Liebe erfüllen. Diese Liebe sucht Räume, sich zu entfalten: Räume in unseren Herzen, Räume in unseren Köpfen, in unseren Körpern, in unseren Seelen, Räume in unserer Zeit. Egal, was sonst sein mag an Friedlosigkeit, an Zerbrechen, an Leid, an Sorgen. Die Welt, in die Jesus damals kam, war mindestens genauso friedlos wie unsere Welt heute.
Paulus meint mit der erfüllten Zeit aber noch etwas ganz anderes. Er meint damit: „Es ist so weit“. Gott hat lange zugewartet, und nun ist die Zeit reif. Die Wartezeit ist erfüllt. Es ist einfach dran, dass Jesus in unsere Welt und in unser Herz kommt. Gott will unser Leben auf dieser Erde mit uns teilen. Egal, was sonst sein mag.
Wir leben erfüllter, wenn wir mit Jesus unseren Weg durch den Advent gehen können. Uns einem Menschen freundlich zuwenden, so wie Jesus sich uns zuwendet. Eine Gemeinschaft mitgestalten, die uns birgt, so wie wir uns bei Jesus bergen können. Die Grenzen unserer Zeit annehmen, so wie Jesus seine Grenzen angenommen hat. Das können wir getrost tun, denn Gott umfasst und umhüllt auch die Grenzen der Zeit. Und er erfüllt eben nicht nur unsere Zeit, sondern unsere Seele, uns selbst.
Ich wünsche Ihnen – ganz gleich was sonst sein mag -, dass Sie erfüllt und beglückt durch den Advent gehen können.
Freundlich grüßt Sie
Ihr
Klaus Baltes

